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20 Jahre Diamorphin-Ambulanz in Bonn

Medizinisch verordnetes Heroin verbessert die Lebenssituation von Schwerstabhängigen

Die Bonner Diamorphin-Ambulanz gibt es seit 20 Jahren. Als Modellprojekt gestartet, war sie deutschlandweit die Erste dieser Art. Das Fazit der Kooperationspartner Universitätsklinikum Bonn (UKB) und Ambulante Suchthilfe Caritas/Diakonie Bonn ist eindeutig. Die Versorgung schwerstheroinabhängiger Menschen mit medizinischem Diamorphin, also hergestelltes Heroin, in Kombination mit intensiver psychosozialer Begleitbetreuung (PSB) hat sich in der Praxis über die Jahre etabliert und bewährt. Wie bereits die ehemalige Studie, an der deutschlandweit sieben Städte teilnahmen, anfangs bestätigte, verbessert sich die gesundheitliche und soziale Situation der Betroffenen signifikant.


„Die Ambulanz ist ein wichtiger Eckstein in der Bonner Suchtmedizin. Denn die kontrollierte Gabe von Diamorphin bietet die einzige Möglichkeit, Schwerstsüchtige zu erreichen, denen auf anderem Wege nicht in ausreichendem Maße geholfen werden kann. Wir können sie über Jahre stabilisieren“, sagt Prof. Dr. Alexandra Philipsen, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKB.

„Das Konzept einer medizinischen Betreuung mit psychosozialer Begleitung hat sich bewährt“, betonen Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider und Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher. „Mit der individuellen psychosozialen Begleitung, die wir mit der Ambulanten Suchthilfe bieten, konnten
wir viele Patientinnen und Patienten in Wohnung und Arbeit oder Arbeitsprojekte vermitteln und ihnen damit gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.“


Oberstes Ziel ist die Freiheit von Straßenheroin
Am 4. März 2002 wurde in der Bonner Wilhelmstraße zum ersten Mal eine Spritze mit medizinischem Heroin unter ärztlicher Aufsicht an einen Opiatabhängigen ausgegeben. Seitdem wurden 134 Patienten meist über viele Jahre in der dortigen Diamorphin-Ambulanz betreut. So auch Rudi*[Name geändert], der wie alle anderen der derzeit 56 Patienten eine lange Erkrankungsgeschichte hinter sich hat. Denn als Voraussetzung für die ambulante Diamorphin-Behandlung müssen er oder sie über 23 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren abhängig sein sowie mehrere suchtmedizinische Behandlungen ohne nachhaltigen Erfolg beendet haben. Zudem müssen sie alle in Bonn leben.

„Die Betreuung hier hat mir sehr geholfen und gibt mir Halt. Früher habe ich den ganzen Tag dazu gebraucht, um mir Geld für neuen Stoff zu besorgen. Jetzt habe ich eine Wohnung und kann arbeiten“, sagt Rudi*, der bei Therapiebeginn wie viele andere auch obdachlos war. Jeden Tag bis zu dreimal kommt er seit fünf Jahren in die Bonner Diamorphin-Ambulanz, um sich dort unter einem Höchstmaß an Sicherheit medizinisches Heroin unter ärztlicher Aufsicht selbst zu spritzen.

„Unsere Patientinnen und Patienten bekommen hier unter hygienischen Bedingungen ein pharmazeutisch sauber produziertes und qualitätskontrolliertes Diamorphin, also kein verunreinigtes Heroin vom Schwarzmarkt. So können wir mitunter schwere Folgeerkrankungen der Abhängigkeit – auch durch unsere engmaschige psychiatrisch-psychotherapeutische Betreuung – verhindern“, sagt Dr. Henrik Rohner, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKB und der Diamorphin-Ambulanz. Durch die enge Anbindung der Ambulanz an das UKB können auch körperliche Erkrankungen beispielsweise Hepatitis C, Lungenerkrankungen und HIV gut behandelt werden. Aber auch andere Begleitprobleme wie drogenassoziierte Straftaten sinken. „Wir geben Schwerstheroinabhängigen eine Perspektive, ohne die Not sich immer wieder Drogen beschaffen zu müssen“, sagt Andrea Welskop, psychiatrische Fachärztin der Diamorphin-Ambulanz.


Eine Chance für eine Rückkehr in ein geordnetes Leben
Neben der medizinischen Betreuung bietet die Ambulante Suchthilfe Bonn von Caritas und Diakonie den Schwerstheroinabgängigen eine psychosoziale Betreuung in der Ambulanz an. Diese wird von der Stadt Bonn finanziert. Der Erfolg lässt sich sehen: Alle der anfangs obdachlosen Patienten haben einen festen Wohnsitz und viele gehen inzwischen einer regelmäßigen Beschäftigung nach.

„Die Existenzsicherung, insbesondere die Vermittlung in Wohnung und Arbeit, ist dabei genauso entscheidend wie die psychosoziale Begleitung bei der Entwicklung eines neuen sozialen Umfelds außerhalb der Drogenszene“, so Schneider und Hamacher. „Viele Betroffene haben zuvor Gewalt, Vernachlässigung, Missbrauch oder andere Traumata erlebt. Mit der individuellen psychosozialen Betreuung und verschiedenen sozialen Begleitangeboten beider Wohlfahrtsverbände können wir die Betroffenen soweit stabilisieren, dass eine Neuorientierung möglich ist.“

„Viele unserer Klientinnen und Klienten benötigen Hilfe bei der Alltagsbewältigung, bei bürokratischen oder gesundheitlichen Problemen, bei Schulden oder familiären Problemen. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter bieten in täglicher Präsenz in der Ambulanz die Sicherheit dieser Unterstützung“, sagt Uta Geier-Völlmecke, Leiterin der PSB der Ambulanten Suchthilfe. „In Fallbesprechungen mit den Ärztinnen und Ärzten koordinieren wir die engmaschige Begleitung der Patientinnen und Patienten. Diese sehr gut verzahnte Arbeit von medizinischer und sozialpädagogischer Hilfe ist ein Schlüssel zum Erfolg der Diamorphinambulanz.“

Eine funktionierende Überlebenssicherung

Die Evaluierung des Modellprojekts fiel so positiv aus, dass die Substitutionsbehandlung mit Diamorphin seit dem 1. Januar 2011 von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.
Hauptziele der Behandlung sind die gesundheitliche Stabilisierung der Patienten sowie ihnen eine möglichst vollumfängliche gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. „Wunder darf man allerdings nicht erwarten, auch wenn viele unserer Schützlinge sich das sehnlichst wünschen“, sagt Dr. Christoph Dilg, der als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie der Diamorphin-Ambulanz von Anfang dabei war. „Nicht unterschätzen dürfen wir die psychische Beeinträchtigung unserer Patientinnen und Patienten, deren Lebensgeschichten vielfach durch traumatische Erfahrungen geprägt sind. Die heroingestützte Behandlung ist oft die einzige Möglichkeit, ihre Lebenssituation zu verbessern oder schlicht das Überleben zu sichern - eine Therapie, die gut gelingt.“