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Pflege in Not! Auf Kosten der Kranken gespart

23. April 2013;

Auf Kosten der Kranken gespart

Wohlfahrtsverbände demonstrieren gemeinsam für angemessene Vergütung in der Pflege

Die Bonner Wohlfahrtsverbände haben zum ersten Mal in ihrer Geschichte gemeinsam in der Bonner Innenstadt demonstriert, um auf die desolate Finanzierungs-Situation in der ambulanten Pflege aufmerksam zu machen. Es fehlt an angemessener Bezahlung und damit an Anerkennung der Pflegeleistung seitens der Krankenkassen. „Gute Pflege kostet Geld“, „Politiker, lasst alte und kranke Menschen nicht im Stich“, mit diesen Botschaften gingen mehr als 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegedienste auf die Straße, um lautstark auf den Pflegenotstand aufmerksam zu machen.  Die Demonstration ist eine Aktion im Rahmen der zweiwöchigen Kampagne „Pflege in Not“ der NRW-Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Ihr gehören 845 ambulante Pflegedienste an. Sie versorgen fast die Hälfte der Pflegebedürftigen des Landes. Das sind 118.500 Menschen.

 

„Seit geraumer Zeit verhandeln die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege mit den Krankenkassen über einen angemessenen Stundensatz für die Pflegeleistungen, die unsere Mitarbeitenden Tag für Tag leisten. Doch bislang ist ein Kompromiss nicht abzusehen. Wir können aber nur dann auf Dauer qualitativ hochwertige und zuwendende Pflege leisten, wenn unsere Dienste angemessen bezahlt sind.“ sagte Jean-Pierre Schneider, Caritasdirektor und derzeitiger Vorsitzender der regionalen Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bonn..

 

Auch für Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn und Region, sind die Grenzen der Belastbarkeit erreicht: „Jahr für Jahr investieren wir Eigenmittel in beträchtlicher Höhe zur Aufrechterhaltung einer hohen Qualität in der Pflege. Die Kassen übernehmen die Kosten dafür nicht, obwohl auch sie diesen Qualitätsanspruch an die Träger stellen. Trotz ihrer hohen Überschüsse weigern sich die Kassen, die Pflege angemessen zu bezahlen. Hier wird auf Kosten der kranken und hilfebedürftigen Menschen massiv gespart.“

 

Die Bonner ambulanten Pflegedienste der Freien Wohlfahrtspflege versorgen nahezu 2.000 Menschen in Bonn und Region. Aufgrund des demografischen Wandels ist von einer deutlichen Steigerung der Nachfrage auszugehen. Doch die Pflegedienste sind auf eine auskömmliche Vergütung der Pflegeleistungen angewiesen. Nur dann können sie genügend Mitarbeitende beschäftigen und angemessen bezahlen. Und nur dann haben sie ausreichend Zeit für ihre Patienten. Immer mehr ambulante Pflegedienste geraten aber ins Minus. Die Folge sind Personalkürzungen und damit auch Schließungen. Denn ohne Personal findet keine Pflege statt. Im schlimmsten Fall kann das bedeuten: Menschen, die normalerweise ambulant versorgt würden, müssten dann ins Heim. „Wir wollen sicherstellen, dass Menschen auch weiterhin möglichst lange selbständig in ihrem eigenen Zuhause leben können – mit Unterstützung qualifizierter ambulanter Pflegedienste“, so Schneider.

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